Von Ahrensburg zur Küste zu Küste

Die Anmeldungen waren übersichtlich, so übersichtlich, dass Jochen den 400 km Brevet von Küste zu Küste auch von zu Hause aus starten konnte. Kurz vor 14:00 Uhr am Sonnabend war es warm und die Sonne schien. Aber der Wetterbericht versprach reichlich Abwechslung: „Heute Gewitter. Abends und nachts schwere Sturmböen, an der Nordsee Orkanböen“

Die SportlerInnen und der Fotograf haben sich beim Start noch über die Möglichkeiten der Fahrerüberwachung bei der Tour unterhalten. So ein Antennenstummel unterm Sattel für die Live-Überwachung mit GPS und Mobilfunktechnik passt nicht an das Rad eines Randonneurs. Da gehört die Satteltasche hin. Hoffen wir also auf altertümliche Kommentare um rauszufinden, wie es Ihnen ergangen sein wird. Hier gibt es erst mal nur ein paar Bilder vom Start.

Chris Froome musste heute ein wenig leiden. Er hat hoch nach  L'Alpe d'Huez Zeit verloren, aber für das gelbe Trikot reicht es immer noch. Unsere Helden werden auf den ganzen 400 Kilometern wohl weniger Höhenmeter zusammenbekommen, als die Tourfahrer auf der Schlusssteigung. Aber bei so gutem Wetter wie derzeit in Frankreich, kommt jeder den Berg hoch. Quer durch Schleswig-Holstein bei Sturm, das ist eine ganz andere Nummer! Mögen sie stark genug sein.  

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Kommentare

Hallo lieber Jochen,

uuih, du hast aber viel geschrieben. Da will ich mich mal kurz halten, so kurz es eben ging.

Die 400 km fühlten sich anstrengender an als die 600 km entlang der Elbe. Vielleicht lag es an den technischen Defekten vielleicht an den miesen Wettervorhersagen, die dann ja doch nicht so dramatisch eintrafen, oder etwas ganz anderes. Zwischendurch stellt sich die Fragen, warum mach ich das hier eigentlich? Dann kommt man schnell auf die simple Antwort: Weil ich es kann und es fühlt sich toll an so richtig müde und frisch geduscht ins Bett zu plumpsen.

Die erste Herausforderung stellte sich in der Dämmerung, als auffiel, dass der Stecker für das Rücklicht nicht mehr hält. Ohne Rücklicht durch die Nacht? Undenkbar! So vertrödelte ich schon mal einige Minuten mit Basteln. Hat sich aber gelohnt, anschließend gab's mit dem Rücklicht keine Schwierigkeiten mehr.

In Husum haben Wolf und ich die Lokalität mit dem "goldenen M" mit mehreren dutzend Jugendlichen vorgefunden und dabei dich, lieben Jochen, nicht gesichtet. Die Tankstelle war dagegen etwas ruhiger.
Mehr oder weniger "blind" fuhr ich durch die Nacht. Mit Brille konnte ich noch weniger sehen als ohne, also dann eben ohne. Geht auch, alles eine Frage der Geschwindigkeit.

Die Tanke Eckernförder ist immer wieder ein Erlebnis. Im Umkreis von schätzungsweise 50 km die einzige 24h-Lokalität und trotzdem nichts los, mal abgesehen von ein paar durchgeknallten Randonneuren.

Auf dem Weg nach Kiel kommt man durch das gediegenen Dorf "Gettorf" und meine Gedanken schweiften flüchtig zu einer Vereinkollegin, die dort aufgewachsen ist. In der folgenden Stunde sollte ich mal mehr mal weniger das Bedürfnis verspüren sie anzurufen. Während ich mehrere Fehlversuche mit Schlauch, Ventil und mehreren Flicken veranstaltete, kroch eine Weinbergschnecke auf dem Bürgerstein umher. Husch, husch, war die schnell und ich war immer noch mit dem platten Hinterrad beschäftigt. Aber auch diese Episode meines Brevet-Erlebnis hatte ein Happy End.

Und weiter ging's über Kiel und Bad Segeberg bis kurz vor dem Klingberg. Vielleicht noch rund 30 km dann wäre es geschafft, aber ich sitze am Straßenrand und muss nochmal Flicken. Bäh, ziemlich versieftes Rad, gesprenkelt mit matschigen Laub und Leichenresten (von Nacktschnecken). Der Flicken hielt bis zum Ziel und hält immer noch. Dann kannst ja wieder los gehen!

Manchmal koomt es eben anders, als man denkt

Ein Brevet im Juli verspricht schöne Sonnenuntergänge und milde Sommernächte. So zumindest hatte ich mir es ausgedacht.

 

Als wir zu fünft starteten, immerhin mit einer Frauenquote von 20%, schien die Sonne und der Wind war freundlich. Doch schon in Wakendorf trafen uns große, schwere Tropfen. Die Reste eines Gewittergebiets, das vor uns hergezogen war. Recht flott und weitgehend im geschlossenen Verband ging es zur ersten Kontrolle in Bad Bramstedt. Dort fülten wir nur kurz unsere Trinkflaschen auf und fuhren weiter in Richtung Kellinghusen, wo uns der erste nennenswerte Schauer traf. Einzelnes Anziehen von Regenkleidung oder die Entscheidung, einfach weiterzufahren, führte dazu, dass die Gruppe auseinander fiel.

 

Ich beschloss einfach weiterzufahren. Meine Beine fühlten sich gut an und ich plante insgeheim, vor Mitternacht in Schleswig anzukommen. (Ein Plan, der sich im Nachhinein als illusorisch erwies.) In Meldorf war die zweite Kontrolle anzufahren und kurz vor meinem Aufbruch kamen Andrea, Wolf und Kai-Peter an. Ich beschloss, erst einmal allein weiterzufahren und wir verabredeten uns zu einem Treffen in Husum. So ging es für mich bei stärker werdendem Wind über Tönning nach Husum. Langsam wurde es dunkler und dunkler. Doch einen Sonnenuntergang bekam ich nicht zu Gesicht. Zu dicht und bedrohlich wurden die Wolken. Um kurz nach zehn war ich bei der dritten Kontrolle (Burger King hat auch Stempel!) und genehmigte mir ein kalorienreiches Abendessen. Leider kam keiner dazu und so beschlß ich, weiterzufahren. 

 

Die Entscheidung mit Weste bekleidet in die Nacht zu ziehen, revideirte ich schnell. Es regnete in Strömen und die Regenjacke musste her. Ich war ein wenig ängstlich, ob die Stromversorgung meines neuen GPS den Wassermassen standhalten würde. Sie tat es! Aber ich verfuhr mich. Das neue Gerät, die schlechte Sicht durch meine Brille bei Starkregen und eine neue Streckenvariante bescherten mir einen Kreisverkehr von 10 Kilometern Ausdehnung. Endlich hatte ich die Strecke wiedergefunden und der stramme Westwind trug mich nach Schleswig. Glücklicherweise war es recht warm, ansonsten wäre ich wohl nur mit kurzer Hose und Knielingen etwas "underdressed" gewesen.

 

In Schleswig war dann die Kontrolle erwartungsgemäß schon geschlossen. Als Alternative bot und bietet sich die 24 Stunden Tankstelle in Eckerförde an. Doch bevor ich sie erreichte durfte ich zwei Plattfüsse reparieren. In der Zwischenzeit hatte Andrea mich überholt und so zeigte sie sich erstaunt, als ich sie beim Kaffee morgens um halb drei traf. Gemeinsam fuhren wir aus Eckernförde hinaus, aber leider schickte sie mich schon nach kurzer Zeit fort. Zu unterschiedlich waren unsere Geschwindigkeiten zu diesem Zeitpunkt. Also hieß es nun wieder alleine weiterzufahren. Die Müdigkeit wurde immer drückender und so langsam entleerten sich auch die Akkus in meinen Beinen.

 

Ziemlich schlapp erreicht ich um fünf Uhr Kiel, holte mir Croissants und Orangensaft, setzte mich ein wenig hin und frühstückte. Aber so richtgi gemütlich war es nicht. Also weiter in Richtung Bad Segeberg. In Wattenbek ging dann aber nichts mehr. Ich musste in einem Wartehäuschen eine kurze Pause einlegen, war dann auch einmal "richtig weg", bevor ich mich dann weiterschleppte. Um halb acht war ich dann in Bad Segeberg. Mitterlweile hatte die Sonne wieder die Oberhand und es wurde merklich wärmer. Nach der Kontrolle konnte ich wieder mit Weste und Armlingen weiterfahren.

 

Über den unausweichlichen Klingberg ging es dann zurück nach Ahrensburg. Die Temperaturen stiegen und immer mehr Radsportler kamen mir entgegen. Nach 20 Stunden und 30 Minuten war ich wieder am Start.

 

Warmduschervariante - Vereinsabfahrt

Herzlichen Glückwunsch zum Bestandenen 400erter, der sich für euch scheinbar doch recht strapaziös darstellte.

Da der letztjährige Track noch ein paar Fehler enthielt, die Streckenbeschreibung noch nicht unserem neuen Standard entsprach und noch ein paar Fragen vor Ort zu klären waren, hatte ich mich ein paar Wochen vorher angeboten, die Strecke abzufahren.

Björn konnte es dieses Mal leider nicht einrichten, aber Ludger bot sich an, mich trotz Bedenken hinsichtlich seines Trainingsstands zu begleiten.
Wir starteten am Sonntag Morgen, Ludger fuhr gegen 5.00 Uhr kurz hinter Kiel auf die Strecke, zusammen ging es nach gemeinsamen Frühstück in Ahrensburg kurz nach 8.00 Uhr auf die Strecke.

Leider zeigte sich schon nach weniger als 2 Km, dass meine Vorbereitung suboptimal war, denn ich hatte die für das Diktieren wichtigen Wegpunktnummern bei der Aufbereitung der provisorischen Streckenbeschreibung wegoptimiert.
Nach 3 Abbiegungen hatten wir den KM-Offset errechnet und konnten so fast genauso präzise diktieren. Auch die Aufgabenverteilung, wer achtet an jeder Abbiegung auf was, war erst einmal feinzujustieren.

Danach lief es reibungslos, auch Ludgers befürchtungen erwiesen sich als fast unbegründet. Wir kamen gut voran, machten an den Kontrollstellen ausreichend Pause, ohne uns zu lange aufzuhalten.

Alles fühlte sich gut an, bis wir die Kieler Hochbrücke am frühen Abend erreichten und ein Landregen einsetzte, der uns bis zu unserem jeweiligen Ziel begleiten sollte.

An der Kontrollstelle Kiel zogen wir alles über, was wir an Bekleidung mithatten, denn der Regen hatte auch die Luft merklich abgekühlt. Plangemäß verließ mich Ludger kurz vor Negenbötel, so daß ich mich bis zum Ziel allein mit ausgehender Motivation, müden Beinen und anstehenden Aufgaben (Bad Segeberg wollten wir die Ausfahrt überarbeiten) abkämpfte.

Irgendwie war ich dann doch froh, als ich kurz nach Mitternacht klitschnaß in Ahrensburg ankam, das Fahrrad verladen, in trockene Klamotten schlüpfen und mit dem Auto nach Hause fahren konnte. Um 1.30 Uhr irgendwann schlief ich erschöpft ein...