Entlang des Hochwassers 2013

Jeder Brevet ist einzigartig. Dieser wird mir alleine durch die Begleitumstände lange in Erinnerung bleiben.
Jochen hatte uns eine schöne neue Variante des 600er Brevet "Entlang der Elbe" ausgearbeitet. Ab Genthin sollte es nicht direkt nach Havelberg gehen, sondern über Brandenburg (An der Havel) nach Nauen. Ab Wittenburg gab es dafür keinen Schlenker über den Priwall, sondern die direkte Verbindung "nach Hause".

Durch das Hochwasser spitzte sich die Lage in Lauenburg, Bleckede und Hitzacker immer weiter zu, so daß uns Jochen kurzfristig die Alternative über Geesthacht und Dahlenburg als Track vorlegt.
Somit war die Südwest-Strecke entlang der Elbe größtenteils sicher. Auf der Nordost-Strecke dagegen gab es keine ausgearbeitete Alternativstrecke.
Wittenberge drohte bereits vor unserem Brevetstart die Evakuierung und für Havelberg stand die Entscheidung zur Flutung der Polder noch aus. Die Alternative über Friesack - Perleberg - Hagenow war denkbar aber nicht "erfahren" sondern nur auf der Landkarte "zusammengeklickt".
Am meisten Sorge hatte ich zum Abschnitt direkt vor der Tangermünder Brücke über die Elbe.

Ich hatte mich mit einem Randonneure aus Göttingen zusammengetan, damit ich zur Abwechselung mal nicht alleine durch die Nacht fahren muss. Das war im großen und ganzen auch in Ordnung, allerdings hätte ich meine Pausen vermutlich anders eingeteilt.

Kurz vor Lüchow kam uns Jochen auf den Weg zum Bahnhof Uelzen entgegen. Er berichtete von der Warnung, dass die Polder vor Havelberg zu einem unbekannten Zeitpunkt geflutet werden.
Zwischen Arneburg und Tangermünde hatten die Straßen teilweise Elbwasserpfützen, aber nicht so dramatisch, dass ich einen nassen Po hätte kriegen können. Direkt vor Tangermünde wurde mir nochmal etwas mulmig, als wir an einen offenbar nicht ganz dichten Deich entlang fahren mussten. Als ich dann auf der Brücke über der Elbe stand, fühlte ich mich schon viel sicherer.
Brücke Tangermünde 8.Juni2013
Schade, die landschaftliche Schönheit des Streckenabschnitt Genthin - Nauen konnte ich in tiefer Dunkelheit leider nur erahnen.

Ab Friesack sind wir ganz stumpf der B5 bis Perleberg gefolgt. Das war nicht so schlimm wie es sich anhört. Der Verkehr hält sich am Sonntag morgen glücklicherweise in Grenzen. Nach dem Stempeln in  Perleberg konnte ich die B5 nicht wiederfinden, und vermutete eine Verschwörungstheorie ("B5 gibt es gar nicht"). Wir folgten dann meiner zusammengeklickten Strecke (geklaut von GPSIES) mit sowohl schönen Flüster-Asphalt als auch derben Kopfsteinpflaster. Kurz vor Hagenow hat mich meine Begleitung dann verlassen und ich machte mich über die letzte Kontrolle alleine auf den Weg nach Ahrensburg.

Herrlich, immer wieder schön wieder nach Hause zu kommen!
Hier ein paar Fotos

Kommentare

Beeindruckend und bedrückend zugleich

Ja, die Wassermassen bei der Querung der Elbbrücke Tangermünde waren enorm beeindruckend. Wegen leerer Trinkflaschen habe ich in Fischbeck ein paar vor dem Haus diskutierende Leute gefragt, ob sie mir die Flasche wieder befüllen könnten. Als Antwort kam ein "Na klar, Wasser haben wir hier mehr als genug - die Elbe kommt."
Es fühlte sich schon eigenartig an, am Montag zu lesen, dass der Ort dann tatsächlich, wie von der Diskussionsrunde gemutmaßt, "abgesoffen" war.
Auch vor Havelberg, bei Kuhlhausen und Jederitz fuhr man plötzlich auf einem Damm durch eine großflächige Seenlandschaft. Absoluter Wahnsinn, aber jetzt weiß ich immerhin, warum es diesen kleinen Wall bei Kuhlhausen gibt.