Zugvögel

Zugvögel ziehen jeden Herbst von ihrer inneren Uhr getrieben in unterschiedlich großen Schwärmen und mit ganz unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Wie sie sich dabei orientieren und ihre Pausenplätze auswählen, ist dabei weitgehend unbekannt.

In einem Feldversuch versucht Burkhard mit Unterstützung des Audax Clubs Schleswig-Holstein anhand des Verhaltens von Radsportlern diesen Geheimnissen nachzuspüren. Zumindest den Termin sowie Start-, Endpunkt und einen Pausenpunkt gibt er dabei aus Gründen der einfacheren Auswertung vor. Für Peilsender fehlt einfach das Geld.

Die Schwarmbildung ist ein sehr dynamischer Prozess. So gibt es Schwärme, deren Zusammensetzung bereits lange vorher feststeht oder festzustehen scheinen. Teilweise ändert sich die Zusammensetzung aber kurz vor dem Abflug und vielfach schließen sich unterwegs auch mehrere Schwärme zusammen, um vom Windschatten oder der Ortskenntnis der Mitflieger zu profitieren. Manchmal werden aber auch Mitflieger einfach von ihren Schwärmen zurückgelassen – natürliche Selektion oder auch Survival of the fittest! Burkhards Regeln sind da allerdings weniger evolutionär und fordern – mehr oder weniger deutlich - solidarisches Verhalten, auch wenn das einigen Vögeln gegen ihre Natur geht.

Vor dem Start müssen sich natürlich erstmal alle die nötigen Reserven anfuttern. Hans-Jürgen hat dafür alles bereitgestellt und zu Sicherheit wurde auch noch einiges an Verpflegung zur Pausenstelle in Dömitz gebracht. Die Schwalben hatten sich sogar extra von einem Vorabkommando individuelle Fressboxen anliefern lassen. Mit diesen Vorräten hätten eigentlich alle bis Afrika kommen können, dabei war das Ziel nur in Berlin-Spandau.

Bei schönstem Wetter hoben dann alle fast pünktlich in Altengamme ab und flogen in einen wirklich schönen Sonnenaufgang hinein, während am Wegrand der Reif auf den Wiesen taute.

Bei der Flugroute gibt es auch nach jahrelanger Übung unterschiedlichste Varianten. Die ganz besonders Eiligen fliegen mit dem JetStream (B5), andere suchen den kürzesten Weg und wieder andere vermeiden jeden Hügel, aus Angst dagegen zu fliegen. Um die Route zu finden, wird sowohl auf das Internet als auch auf astronomische Navigation zurückgegriffen. Irrwege waren trotzdem nicht ausgeschlossen – es gibt halt wie überall Vögel mit mehr oder mit weniger ausgeprägten Talenten.

Einige wenige haben das mit dem Vogelzug noch nicht so ganz verstanden und nahmen zwischendurch den Zug – zurück nach Hamburg.

Die meisten aber sind gut angekommen und haben so der Wissenschaft einen großen Dienst erwiesen. Um gesichertere Daten zu bekommen wird der Große Zug aber wohl im nächsten Jahr noch einmal gestartet.

Kolja