Emma und die 6 Radfahrer

Trotz Sturmtief Emma fand die geplante Tour Hamburg-List statt. Es ging aber nicht nach Sylt sondern fast bis nach Stralsund. 6 Radfahrer, 6 Platten und 187 Kilometer, begleitet von einer stürmischen Dame am 1.März 2008.

Sturmwarnungen gab es schon Tage vorher. Da wird man gefragt, ob denn alles so wie geplant stattfinden würde. Wir haben kein wirklich wirksames Instrumentarium für Absagen. Für Termine, die Wochen vorher veröffentlicht worden sind, steht man als Veranstalter in der Pflicht. Man braucht schon einen besseren Grund als etwas Wind und Regen, um nicht am vereinbarten Treffpunkt zu erscheinen. Aber manchmal wünscht man sich, keiner würde kommen. Ein Plan O(st) ist bei solch absehbarem Fall, natürlich trotzdem angesagt.
„Du bist erwachsen.“ Was soll man denn auch sonst am Telefon nach der Tagesschau am Freitag sagen. Die Wettermänner neigen nun mal zum Dramatischen und jeder muss selber entscheiden, wie er beim Anblick einer Dame wie Emma reagiert und ob das Rad in der Garage bleibt.
Es regnete und auf dem Weg zur Tankstelle in Allermöhe hatte ich Gegenwind. Aber sonst nicht der Rede wert, keine Dachpfanne auf dem Kopf, nicht mal ein umgestürzter Baum im Weg. Es waren sogar 5 Radfahrer anwesend.Vorm Start Über den Vorschlag mit Wind nach Stralsund zu fahren, statt gegen Wind nach Sylt, wurde gar nicht lange gesprochen. Hermann hatte am Freitag einen Routenvorschlag dazu gemailt, an den wir uns im Wesentlichen hielten.

Fünf nach Sechs ging es los, es regnete gerade nicht mehr. Es sollte noch ein paar Mal regnen und wieder aufhören. Zum Ende der Tor wurde es trockner, dafür gab es dann aber mehr Wind.
Bei den ersten Kilometern unterschied sich die Strecke nicht von der Sylt-Strecke. Man hätte sogar den Radwanderweg von Glinde nach Trittau nehmen können, das wäre aber doch ein Umweg gewesen. Wir brauchten fast 2 Stunden, ehe es in der Gruppe halbwegs rund lief und wir unser Tempo gefunden hatten. Der Rückenwind war nicht so stark wie erhofft, dafür war der Seitenwind auch nicht so gefährlich wie prognostiziert.

Radpanne bei Kittlitz

Bei Kittlitz, kurz vor der ehemaligen Zonengrenze nahm Gerald dann die erste Reifenpanne des Tages. Zeit für die anderen, sich zu verpflegen. Auf dem Rad war das Wetter aber besser als zu Fuß am Straßenrand. Feucht wie wir waren, kam man schnell ans frieren.

 

Die Straße am äußersten nördlichen Ausläufer des Schaalsees ist liebevoll wiederhergestellt, etwas für das Flandern-Tour-Training. Wir benutzten lieber den schmalen Randstreifen. Dann nahmen wir die Streckenvariante über den Radweg an der B208 nach Gadebusch. Gegenüber den Autofahrern, bekommt man so manchen Höhenmeter mehr spendiert.

Auf Geralds Wunsch hin, gab es eine Kaffeepause in Gadebusch.Kaffee in Gadebusch

Ich hatte danach etwas Probleme wieder in Fahrt zu kommen. Schon recht bald fiel ein Flaschenhalter von Ralfs Rad. So ein Ami-Rad ist eben nichts für ostdeutsche Ortsdurchfahrten.
Zwischen Gadebusch und Bad Kleinen waren dann die Radpannen 2, 3 und 4 fällig. Wir waren auf Nebenstrecken unterwegs, der Asphalt war zum Teil auch löchrig, aber es war Asphalt und kein Kopfsteinpflaster. Am feuchten Reifen haftet der Gesteinssplitter eben und bohrt sich durch den Reifen. Richtig gut voran ging es jedenfalls nicht. Manchmal klappt es mit den klammen Fingern auch nicht auf Anhieb mit der Montage. Wenn man dann (negative) Gefühle gegenüber seinem Gefährt entwickelt, geht es auch nicht schneller. Die Statistik ergab in Bad Kleinen einen Platten für jeden, bis auf Heino und mich. Aber bei manchen Dingen kann man auch gut verzichten.
Gerald und Heino nervten etwas mit ihren Drang, als erster an den gelben Schildern vorbeifahren zu wollen. Die Idee von der Tour ist das gemeinsame Fahren. Können die denn nicht ihre Sprinteinlagen trainieren, wenn sie alleine fahren? Mit solchen Betrachtungen beschäftigt, ergab sich die Gelegenheit, eine vorbildliche Radpanne zu demonstrieren. Es fängt mit der Wahl eines geeigneten Ortes an. Bushaltehäuschen auf beiden Straßenseiten sind schon mal eine gute Basis. Kaffee und Pizza gab es aber leider auch nicht. Die Bank war zwar staubig, aber ansonsten einwandfrei. Mit der Reifenmontage hatte ich auch keine Probleme, sogar das Hinterrad fügte sich ohne großen Widerstand wieder an seinen Platz. Ganz Kollege, hatte Uwe übrigens vorher, den nach Statistik für Heino reservierten Platten, übernommen.

Panne in Meck-Pom

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hinter Warin kommt Qualitz, da macht unsere Strecke einen Schlenker nach Norden. Es wird dann so, wie es sich anhört. Wind von schräg vorn. Hat man das hinter sich, kommt bald der lange Berg (147m). Wir sind aber alle rüber gekommen.
Auf der langen Abfahrt haben wir Rückenwind. Dann ergibt sich wieder ein kurzer Schlenker nach Norden. Jetzt hört sich das in den Bäumen auch nach Sturm an. Der Wind hat nach Nordwesten gedreht. Auf dem Stück in nordöstliche Richtung nach Schwaan muss ich den Lenker gut festhalten, als Emma eine Bö in mein Vorderrad schickt. Hermann wagt sogar einen Schlenker über den Randstreifen. Harte Arbeit und nicht ungefährlich.

Gut das Schwaan einen Bahnhof mit Direktverbindung nach Hamburg hat.
Wir müssen uns sogar beeilen, der ZugRückfahrt mit dem "Frauenzug" kommt in 10 Minuten. Eine gute Gelegenheit Gefühle gegenüber den Fahrkartenautomaten auf dem Vorplatz zu entwickeln. Ziel angegeben, Datum gewählt. Warum sagt das Teil jetzt nicht: „Gib Geld, dann kommt die Fahrkarte“. Wir kaufen im Zug. Gerald nutzt die knappe Zeit effektiver, er organisiert noch einen Satz brauner Flaschen mit regionaler Füllung.
Der Zug ist übrigens ein Frauenzug mit charmanter Schaffnerin. Das bedeutet aber auch, es gibt keinen Nachschub. Es sei denn man steht auf Latte Macchiato. Karten für die Räder kauft man übrigens am günstigsten als Mehrfach-Pack am Automaten. Die kann man dann auch über Monate hinweg abfahren. Dazu müssen allerdings die Gefühle stimmen und die Beziehung geklärt sein.